Zur Bedeutung interkultureller Kompetenz im öffentlichen Dienst

Sei es im Kollegium, im Familien- und Bekanntenkreis oder beim Stammtisch, wir alle können uns kaum mehr davon abwenden, über die großen, medienzentrierten Begriffe wie Globalisierung und Diversity sowie die Folgen des Internetkonsums zu diskutieren. Dabei könnte man meinen, dass die neuen Generationen sozusagen im Gleichschritt mit der vernetzten Welt heranwachsen. Wozu braucht es also noch interkulturelle Trainings, wenn die sogenannten Digital Natives schon mit der ganzen Welt verbunden sind?

Als Kommunikationstrainer, Medienberater und Dozent widmet sich Dr. Erik Malchow diesen Themen und bietet in seinen Seminaren unterschiedlichen Zielgruppen vor allem Hilfe zur Selbsthilfe an. In einem Interview erklärt er uns, warum wir gerade heute eine Sensibilisierung für interkulturelle Themen brauchen und wann auch Studierende und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung interkulturelle Kompetenz anwenden müssen.

Herr Dr. Malchow, Sie haben an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder studiert, sind über eine Anstellung als Tutor dann zur Dozententätigkeit gekommen. Inzwischen unterrichten Sie sowohl an staatlichen als auch privaten Universitäten. Worauf legen Sie besonders Wert bei Ihrer Tätigkeit als Dozent?

Schon als Tutor an der Uni habe ich gemerkt, wie viel Freude es mir bereitet, anderen etwas beizubringen. Jedes Seminar, jedes Publikum hat eine eigene Dynamik und allein durch die Interaktion mit den Teilnehmer*innen lerne ich selbst in jedem Seminar etwas dazu. Das macht es so unglaublich bereichernd. Als Dozent liegt es mir besonders am Herzen, die Studierenden dazu anzuregen, selbst viel Input zum Thema beizutragen. Das ist eine Frage der Moderation. Die Methode des Peer-Learning bietet die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum ans Publikum zurückzuspielen und somit eine Diskussion auf Augenhöhe zu erzeugen. Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich hatte selbst viele außerordentlich gute Seminare während meiner Studienzeit. Das möchte ich gern weitergeben.

Bei uns an der Akademie für öffentliche Verwaltung und Recht (AOEV) lehren Sie das Modul „Interkulturelle Kommunikation & Diversity Management“ und geben Präsentationstrainings. Was zeichnet Ihrer Meinung nach Studierende eines berufsbegleitenden Studiums, wie beispielsweise an der AOEV, aus?

Studierende, die sich neben der eigenen Berufstätigkeit weiterbilden, bringen dafür häufig eine sehr hohe Motivation mit. Ihnen ist bewusst, dass sie für solch ein persönliches und berufliches Ziel viel Freizeit und auch finanzielle Mittel opfern müssen. Das bewirkt einen starken Ansporn, aber auch einen gewissen Anspruch an die Lehre. Ich sehe mich bei dieser Zielgruppe viel stärker noch als Dienstleister und möchte den Ansprüchen auch gerecht werden, profitiere aber gleichzeitig von der hohen Motivation und aktiven Teilnahme der Studierenden.

Die Welt ist globalisiert und vor allem online vernetzt. Braucht es da noch interkulturelle Trainings?

Es liegt leicht auf der Hand zu sagen, dass durch die Digital Natives Stereotype abgebaut werden, bieten doch gerade das Internet und die vielen Möglichkeiten, die Welt zu bereisen, die Chance, Menschen aller Nationen und Kulturen kennenzulernen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das Internet verhilft uns dazu, sich hauptsächlich mit „Gedankengesellen“ auszutauschen. Wir bleiben also selbst im Internet gern unter Gleichgesinnten. Wer heutzutage im Ausland ist und den Weg nicht kennt, der fragt eine App auf seinem Smartphone, statt seinen Sitznachbarn im Bus anzusprechen und somit mit einer anderen Lebens- und Ansichtsweise in Berührung zu kommen. Die vernetze Welt ist also genau der Grund dafür, dass es einen hohen Bedarf an interkulturellen Trainings gibt.

Auch für Studierende und Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltungen?

Genau, auch für diese Zielgruppe. Stellen Sie sich allein die Berufsbetreuer vor, die zunehmend Menschen begleiten und unterstützen, die aus dem Ausland eingewandert sind, die Sprache unter Umständen noch nicht gut beherrschen und von einer anderen Kultur geprägt sind. Das erfordert Einiges an Sensibilität und Fingerspitzengefühl im Umgang mit diesen Menschen. Die Zusammenarbeit wäre erheblich gestört oder sogar zum Scheitern verurteilt, wenn interkulturelle Kompetenz hier nicht zum Tragen käme.

Wie würden Sie interkulturelle Kommunikation jemandem erklären, der davon noch nie gehört hat?

Interkulturelle Kompetenz meint einen respektvollen Umgang miteinander, wenn man einander noch nicht kennt und vor allem die Art und Weise, wie diese Form von Respekt zum Ausdruck gebracht wird.

In Ihren Präsentationstrainings geben Sie den Teilnehmer*innen das notwendige rhetorische Werkzeug für eine gelungene Präsentation an die Hand. Welche drei Kriterien sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten für eine gelungene Präsentation?

Es gibt sicherlich weit mehr als drei Kriterien bzw. Stellschrauben, an denen sich drehen lässt, um eine Präsentation erfolgreich über die Bühne zu bringen. Die Zuhörer*innen dort abzuholen, wo sie sich befinden, ist ein sehr wichtiges Kriterium. Den Referierenden muss es gelingen, zwischen dem Thema und dem Publikum eine Relevanz herzustellen, Bezüge zu finden. Das weckt das Interesse und die Aufmerksamkeit. Daneben ist es unumgänglich, das Sprechtempo zu kontrollieren und an die Zuhörenden anzupassen. Das geht dann auch einher mit dem dritten Kriterium, einer entspannten Präsentationsweise. Diese kann ich durch Augenkontakt und Rückfragen ans Publikum signalisieren.

Zum Schluss noch eine eher persönliche Frage an Sie. Als Experte für interkulturelle Kommunikation ließe sich davon ausgehen, dass Sie alle Fettnäpfchen kennen, in die man als Deutscher potentiell hineintreten kann. Fällt Ihnen ein, wann Sie zuletzt in ein „interkulturelles Fettnäpfchen“ getreten sind?

[Lacht] absolut. Erst vor kurzem war ich auf einem europäischen Projekttreffen in England. Beim gemeinsamen Abendessen unter Kolleg*innen fragte ich meinen Sitznachbarn, der aus Bulgarien kommt, ob er auch noch Dessert möchte. Er nickte und ich bestellte daraufhin für uns beide Dessert. Ich wunderte mich, als er mir sein Dessert zuschob und mir sagte, er wollte doch keins. Erst da ist mir wieder eingefallen, dass Kopfnicken in bestimmten Regionen Bulgariens als ein „nein“ interpretiert wird. Ein Klassiker der Fettnäpfchen sozusagen, vor denen auch ich nicht zu 100 % geschützt bin.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die weitere Zusammenarbeit mit der Steinbeis-Hochschule Berlin.