Privat oder staatlich? Uni oder FH? Eine Wanderung durch Deutschlands Hochschullandschaft

Hochschulen sind Gehäuse der akademischen Welt. Wer eine akademische Ausbildung anstrebt, kommt um den Besuch einer solchen zwangsläufig nicht herum. Der Anstieg, sowohl von Studierenden als auch von Hochschulen, wird häufig immer noch mit der verkürzten Schullaufbahn bis zum Abitur oder dem Wegfall des Zivildienstes begründet. Andererseits zeichnet sich auch der Trend in der Gesellschaft ab, Kinder verstärkt am Gymnasium als weiterführende Schule anzumelden: Höherbildung ist angesagt. Deutsche Hochschulen sind in diesem Trend begehrt und bilden heute eine bunte Hochschullandschaft. Noch vor wenigen Jahren gab es nur die Universität und die Fachhochschule, auch schon einige Privathochschulen. Heute ist die Welt der Hochschulen um Einiges unübersichtlicher geworden. Hier eine kleine Erklärung zum aktuellen Stand.

Der Begriff Hochschule als Allrounder

Früher studierte man an einer Uni – heute heißen fast alle Institutionen „Hochschule“. Privat, staatlich, staatlich anerkannt und dual sind Beispiele von Attributen, die sich dazu in den Bezeichnungen deutscher Hochschulen wiederfinden. Sie kennzeichnen die feinen Unterschiede, durch die sich die Institutionen unter dem allgemeinen Begriff voneinander abheben wollen. Der Begriff Hochschule ist ein Allrounder. Alle Einrichtungen im tertiären Bildungssektor werden heute als Hochschulen deklariert. Die Trägerschaft kann dabei in staatlicher, kirchlicher oder privater Hand liegen. Anerkannt werden die Hochschulen nach dem jeweiligen Landesrecht. Sie haben u. a. die Aufgabe, auf berufliche Tätigkeiten, die die Anwendung wissenschaftlicher Kenntnisse und Methoden erfordern, vorzubereiten. Da der Staat in Deutschland nie ganz die Kontrolle über die Hochschulen abgibt, müssen private Hochschulen staatlich anerkannt sein und sowohl ihre Institution selbst als auch deren Programme akkreditieren lassen.

Studieren ist beliebt, Hochschulen gründen auch

2,84 Mio. Studierende waren im Wintersemester 2017/18 an Hochschulen in Deutschland eingeschrieben. Auf ihrem Weg dorthin konnten sie zwischen 428 verschiedenen Hochschulen wählen (Stand: Wintersemester 2017/18). Noch 10 Jahre zuvor beträgt die Anzahl der Studierenden eine knappe Million weniger: 1,94 Mio. Circa 1,75 Mio. Studierende waren im Wintersemester 2017/18 an einer von insgesamt 106 Universitäten eingeschrieben. Den stärksten Anstieg an Studierenden erlebten die Fachhochschulen in den vergangenen Jahren (Zuwachs von 66 % im Jahr 2014 im Vergleich zu 2004). Das liegt auch daran, dass sich seit 2006 insgesamt 41 neue Fachhochschulen gegründet haben und landesrechtlich anerkannt wurden. Steigenden Zuwachs erhielten auch die privaten Hochschulen. Während sich im Jahr 2000 knapp 6000 Studierende an einer privaten Hochschule einschrieben, waren es im Jahr 2016 in etwa 44.000.

Der Großteil der Studierenden entscheidet sich also nach wie vor für eine Universität, denn das Fächerangebot ist hier am größten. Wer Arzt oder Anwalt werden will, muss an eine Uni, ebenso angehende Pharmazeuten und Geisteswissenschaftler. Die Fachhochschulen haben prozentual gesehen den höheren Anstieg an Studierenden. Vor allem die ingenieurs-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge finden sich an Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Darin liegt auch ein bedeutender Unterschied. Hochschulen für angewandte Wissenschaften kooperieren enger mit Unternehmen, Praxissemester sind häufig in die Studienordnung fest integriert und die Dozenten haben mindestens drei Jahre außerhalb der Universität gearbeitet. An den Hochschulen mit dem ‚alten‘ Titel Fachhochschule unterrichtet man also „anwendungsorientiert“. An Dualen Hochschulen immatrikulierte Studierende setzen praktisch noch eins drauf, da sie regelmäßig Praxisluft schnuppern, aufgrund ihres Ausbildungsvertrages bei einem Unternehmen.

Private Hochschulen schließen Lücken in Deutschlands Studienangebot

Circa ein Drittel der Hochschulen in Deutschland sind in privater Trägerschaft und gehören Unternehmern, Stiftern, Firmen oder (kirchlichen) Verbänden. Häufig tragen sie den Status einer Fachhochschule, sie können aber – wie die Steinbeis-Hochschule Berlin – das Promotionsrecht wie eine Universität haben. Die Lehre und nicht die Forschung bilden dort den Mittelpunkt des Hochschulalltags. Die Konzentration auf ein bestimmtes Fächerangebot – zum Beispiel Management-Programme – sowie der enge Kontakt zu Vertretern aus der Praxis sind ebenso gängige Merkmale der privaten Hochschulen; natürlich auch die Studiengebühren, die ihre Studierenden zahlen. Nicht selten haben sie eine Nische im bundesweiten Studienangebot gefunden und sich darauf spezialisiert. Aber so wie sich Hochschulen bewusst dazu entscheiden, Studienfächer zu lehren, die auf eine ganz bestimmte Tätigkeit abzielen, gehen auch Studierende bewusst den Weg an eine private Hochschule. Sie sind bereit, für eine persönliche Betreuung, beispielsweise durch Mentoring-Programme, und für die Möglichkeit des Netzwerkens zu bezahlen. Ausserdem unterrichten an privaten Hochschulen häufig einige der profiliertesten Experten des jeweiligen Fachgebiets.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), 2018