Berufsbetreuer: Wenn die Angelegenheiten anderer zur beruflichen Aufgabe werden

Sie tragen sich mit dem Gedanken, als Rechtlicher Betreuer in ein neues Berufsfeld einzusteigen und damit schutzbedürftigen Menschen zu helfen? Dann haben wir hier für Sie eine kleine Zusammenstellung der wichtigsten Fragen rund um das Berufsbild.

Eine Krankheit, ein Unfall, eine Behinderung: ein Schicksal kann einen Menschen schnell aus seiner gewohnten Bahn werfen und seine Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit einschränken. Ist ein Mensch aufgrund körperlicher oder seelischer Schäden nicht mehr in der Lage, in allen Lebensbereichen eigenständig und selbstbestimmt zu handeln, kommt eine Betreuung in Frage. Das lässt vermuten, dass der zu Betreuende somit seine Autonomie gänzlich verliert. Dem ist aber gerade nicht so, denn eine Betreuung ist keinesfalls eine Entmündigung. Die Bestellung eines gesetzlichen Betreuers verfolgt den Auftrag, in den erforderlichen Lebensangelegenheiten zu unterstützen, mit dem Ziel, vor allem trotz gegebener Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Eine Tätigkeit, so facettenreich wie das Leben nur sein kann

Berufsbetreuer tragen eine sehr hohe Verantwortung. Nahezu jeder Lebensbereich eines fremden Menschen kann in sein Aufgabenspektrum fallen. Ist die Gesundheitssorge des Klienten betroffen, fällt die Organisation und Sicherstellung ärztlicher Behandlungen sowie das Einleiten von Rehabilitationsmaßnahmen in den Verantwortungsbereich des Betreuers. Aber auch Anliegen der Vermögens- und Finanzwelt des Klienten oder Heim- und Wohnungsangelegenheiten können zu dessen Aufgabe werden. Eine Betreuung wird dann von der Betreuungsbehörde angeregt und die einzelnen Aufgabenkreise werden festgelegt. In allen anderen Lebensbereichen handelt der Betreute weiterhin selbstverantwortlich.
Die Interessen des Klienten zu vertreten, Ansprüche für sie geltend zu machen und diese in ihren Rechten aufzuklären, ist das übergeordnete Ziel der Betreuungstätigkeit.

Berufsbetreuer, Vormund und Verfahrenspfleger sind begrifflich klar voneinander zu trennen

Unterschiedliche Bezeichnungen kursieren für die Tätigkeit als Berufsbetreuer und laufen daher Gefahr, verwechselt zu werden. Die Bezeichnungen Gesetzlicher Betreuer und Rechtlicher Betreuer sind nicht falsch, aber weniger geläufig als der des Berufsbetreuers. Von größerer Bedeutung ist es demnach, die Begriffe des Gesetzlichen Vormunds und Verfahrenspflegers abzugrenzen.
Berufsbetreuer vertreten Personen, die die Volljährigkeit erreicht haben. Ein gesetzlicher Vormund regelt, ähnlich wie der Berufsbetreuer, auch die Angelegenheiten bestimmter Lebensbereiche für eine andere Person – in diesem Falle aber die von einer minderjährigen Person.
Der Verfahrenspfleger hingegen vertritt vor dem Betreuungsgericht die Interessen des Betroffenen, sorgt für Transparenz über gerichtliche Verfahren und kommuniziert zwischen Betroffenem und Gericht.

Berufsbetreuer werden

Die regionale Betreuungsbehörde oder das Betreuungsgericht bestellen eine Person zum Rechtlichen Betreuer, wenn diese dort zuvor ihr Interesse bekundet hat. In Deutschland gibt es keinen vorgeschriebenen Ausbildungsweg, um als Berufsbetreuer tätig zu werden. Vorgeschrieben ist lediglich, dass der bestellte Betreuer für die Übernahme der festgelegten Aufgabenkreise als „geeignet“ gelten muss. Bestimmte Berufsabschlüsse lassen auf diese Eignung bereits rückschließen. Dazu zählen Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Betriebswirte, Kranken- und Altenpfleger, kaufmännische Angestellte und Bankkaufleute. Ebenso üben jedoch Philosophen, Theologen, Politologen und Geographen, Lehrer und Erzieher, aber auch Ingenieure, Informatiker, Naturwissenschaftler sowie frühere Bahn- und Postbeamte diesen Beruf aus. Viele Berufsbetreuer sind selbstständig tätig. Der Gesetzgeber überlässt jedem angehenden Berufsbetreuer die Verantwortung, sich selbst das notwendige Wissen anzueignen. Notwendig sind Kenntnisse auf den Gebieten des Betreuungsrechts, Sozialleistungsrechts, im Bereich der psychiatrischen und Alterserkrankungen sowie der Versorgungsstruktur der betroffenen Menschen (wie Einrichtungen für Senioren, Behinderte oder psychisch Kranke). Verschiedene Vereine und Institutionen bieten eine große Anzahl an Neueinsteiger- und Aufbauseminaren an, um sich mental und fachlich für die anfallenden Aufgaben vorzubereiten.

Berufsbetreuer sein

Berufsbetreuer arbeiten entweder selbstständig oder sind bei Betreuungsvereinen tätig. Je nach Kenntnis- und Erfahrungsstand werden sie nach dem Vormünder- und Betreuervergütungsgesetz – VBVG § 4 von der Betreuungsbehörde in eine von drei Vergütungsklassen eingestuft:
• Stufe 1 (Mindeststundensatz): 27,– € brutto
• Stufe 2 bei abgeschlossener Lehre und besonderen Kenntnissen, die für die Führung von Betreuungen nutzbar sind: 33,50 € brutto
• Stufe 3 bei besonderen Kenntnissen und abgeschlossener Ausbildung an einer Hochschule: 44,– € brutto.
Örtliche Betreuungsbehörden oder das Amtsgericht stellen den Betreuungsbedarf eines zu Betreuenden nach einer erfolgten Anhörung fest. Vorerst beträgt die maximale Betreuungshöchstdauer sieben Jahre und ist einzelfallabhängig. Konkret verläuft die Zusammenarbeit zwischen Berufsbetreuer und Klient über regelmäßige Sprechzeiten, Hausbesuche und feste Termine. Über die Auflösung oder Wiederaufnahme der Betreuung kann jederzeit entschieden werden.

Die Steinbeis-Hochschule Berlin (Institut: Akademie für öffentliche Verwaltung und Recht) bietet speziell für die Tätigkeit als Berufsbetreuer ein Bachelor-Studium „Betreuung & Vormundschaft“ an, das den unmittelbaren Einstieg in die dritte Stufe ermöglichen kann.