Der Traum vom Studium ohne Abitur – kann wahr werden

Es ist noch nicht so lange her, als klar war: wer studieren will, muss das Abitur in der Tasche haben. Doch hier hat sich etwas zu ändern begonnen: ein vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels gefällter Beschluss der Kultusministerien von 2009 bereitete den Weg ins Studium für Nicht-Abiturienten. Seitdem besteht in allen Bundesländern für berufserfahrene Menschen ohne Fach- oder Allgemeine Hochschulreife die Möglichkeit der Zulassung zum Studium.

Und tatsächlich: bereits im Jahr 2014 folgten 45.600 beruflich Qualifizierte der Qualifizierungsinitiative für Deutschland „Aufstieg durch Bildung“. Seit diese ins Leben gerufen wurde, hat sich die Zahl der Studierenden ohne Abitur vervierfacht.

Gute Gründe für ein Studium

Schließlich liegen die Anreize für ein Studium auf der Hand: seien es neue berufliche Möglichkeiten, die ohne akademischen Abschluss unzugänglich bleiben, ein tendenziell höheres Gehalt oder die Chance, auf einem Gebiet fachlich in die Tiefe gehen zu können. Noch dazu bringen Berufserfahrene das Wissen über den Arbeitsmarkt ihrer Branche mit, haben häufig ein klares Ziel vor Augen und wägen sich deshalb in mehr (Selbst)Sicherheit. In der Gesamtbevölkerung Deutschlands wächst das Interesse an einer akademischen Ausbildung spürbar: Die Studierendenzahl ist im Wintersemester 2017/18 mit 2,8 Millionen so hoch wie nie zuvor. Die Zahl Erwerbstätiger mit Hochschulabschluss stieg 2016 auf 9,0 Millionen. Mehr als jeder 5. Erwerbstätige in Deutschland verfügt damit über einen Hochschulabschluss (Quelle: Arbeitsagentur.de*).

Voraussetzungen für ein Studium ohne Abitur

Grundsätzlich gilt: eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufserfahrung – zwei bis fünf Jahre – sind eine gute Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums ohne Abitur. Konkret sieht es jedoch so aus, dass die Zugangsbedingungen stark differieren können, je nach Bundesland und Hochschule**. Hinzu kommt, dass besonders bei zulassungsbeschränkten Studiengängen die Hochschule eigene Quoten zwischen 3 und 10% für Studienanfänger ohne Abitur haben.

Laut der Verordnung über den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte von 2010 sind zwei Bewerbergruppen zu unterscheiden:

1) Hoch qualifizierte Abschlüsse wie Meister, Fachwirte und Techniker (staatlich geprüft oder IHK-Abschluss) erhalten fast überall in Deutschland einen unmittelbaren, prüfungsfreien Hochschulzugang zu Fachhochschulen und Universitäten sowie zu allen Studiengängen. Ihr Abschluss ist der allgemeinen Hochschulreife gleichgesetzt.

2) Beruflich Qualifizierte sind Bewerber, die eine mindestens zweijährige Ausbildung abgeschlossen haben und drei Jahre Berufspraxis vorweisen. Sie erhalten ein direktes fachgebundenes Zugangsrecht – damit muss ihr Studienfach der bisherigen beruflichen Fachrichtung entsprechen.

Auf dem Weg zum/zur ordentlich eingeschriebenen kann es noch den einen oder anderen Meilenstein geben – so ist es möglich, dass im Rahmen von Tests die Eignung und Willenskraft des oder der Interessentin hochschulseitig abgefragt wird. Denkbar ist auch ein Probestudium, das beiden Seiten – Hochschule wie Bewerber/in – Klarheit verschafft.

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Studieninteressierte stehen häufig vor ähnlichen Problemen, unabhängig davon, über welchen Weg sie an eine Hochschule gelangen. Es geht um die Wahl von Studienfach und Studienort, aber auch um Fragen der Finanzierung und Zeitaufteilung. Besonders bei Studiengängen, die nur in Vollzeit studiert werden können, sollte gut überlegt sein, wie Studium, Privatleben und Arbeit unter einen Hut gebracht werden können.

Berufstätige haben sich an ihr Einkommen gewöhnt, weshalb der Schritt in ein Vollzeitstudium unter Umständen große Einschnitte mit sich bringt. Die Finanzierung ist klar ein ernstzunehmendes, jedoch kein unüberwindbares Hindernis. Ein BAföG-Antrag kann sich lohnen, ebenso die Recherche nach Stipendien, die zunehmend Personen mit Bildungsaufstieg in ihre Förderung aufnehmen (wie zum Beispiel das Aufstiegsstipendium). Lesen Sie dazu auch unsere Hinweise zu Möglichkeiten der Finanzierung. Wer weniger Spielraum beim Bildungsaufstieg zur Verfügung hat, sollte auf berufsbegleitende Studiengänge setzen, wie sie zum Beispiel von der Steinbeis-Hochschule Berlin angeboten werden. Zeitliche und finanzielle Flexibilität bleiben weitestgehend erhalten.

Selbstverständlich lohnt es sich auch, bereits im Vorwege mit dem Arbeitgeber über alternative Arbeitszeit- und Vergütungsmodelle zu sprechen – so kann beispielsweise vorab ein Langzeitstundenkonto oder ein Gehaltspolster angelegt werden. Von beidem lässt sich während des Studiums zehren. Wer lediglich nebenher jobbt, ist mit einer wöchentlichen Stundenanzahl von nicht mehr als 20 im Studententarif kranken- und pflegeversichert.

 

*https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Broschuere-Akademiker.pdf

**http://www.studieren-ohne-abitur.de/web/laender/