Erst denken, dann schreiben – das Projekt Bachelorarbeit erfolgreich meistern

Internet und Bücherregale sind voll von Ratgebern rund um das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit. Sind angehende Studienabsolventen auf der Suche nach Tipps und Tricks für die richtige Verfahrensweise beim Zitieren, für die effektive Lesetechnik oder den plausiblen Aufbau einer Gliederung, werden sie in der Regel schnell fündig. Warum fällt es aber trotz dieser Unterstützung vielen Studierenden so schwer, das Projekt „Bachelorarbeit“ zu meistern? Wo liegen die eigentlichen Blockaden, wenn nicht beim Lesen, Zitieren und Schreiben? Und warum ist der Arbeitsprozess vor dem Schreiben das Entscheidende?

Das „Was – will ich schreiben“ ist in den Wissenschaften oft wichtiger als das „Wie – sollte ich schreiben“

Die Bachelorarbeit bildet den Abschluss des Grundstudiums. Simpel betrachtet, besteht sie aus der Antwort auf eine Frage. Doch das vermeintlich einfache „Frage-Antwort-Spiel“ birgt komplexe Ansprüche, die es zu erfüllen gilt. Vor allem für das Konzipieren einer guten Fragestellung benötigt man ein gewisses Handwerkszeug, das über Lese-, Recherche- und Zitiertechniken hinausgeht. Denn vor der Entwicklung einer guten wissenschaftlichen Fragestellung stehen echte Denkarbeit und eine anständige Portion Wissen, um die Arten von typischen bzw. möglichen Fragen im spezifischen Fachgebiet.

Die Fragestellung bildet das Zentrum der Bachelorarbeit und leitet sich immer aus einem größeren Problemfeld ab. Wissenschaftler sprechen von einer Forschungslücke. Ihnen fehlt etwas und dieses Etwas leitet sich aus einem typischen Wissenschaftsdenken ab. Wissenschaftlern fehlen grundsätzlich vier verschiedene ‚Dinge‘: Theorien (auch als Zusammenhänge oder Modelle bezeichnet), Systematiken bzw. Typologien, Methoden oder Evaluationen (oft als Bewertungen oder Tests bezeichnet). Daraus leiten sich ihre Ziele ab. Schreibt man nun eine Bachelorarbeit müssen diese Ziele viel begrenzter sein. Sie haben zwar den Charakter der genannten Ziele, sollten aber niemals den vollen Umfang z. B. einer Theoriebildung im Blick haben.
Hat man dieses Ziel als Fragestellung formuliert, kann der nächste Denkschritt beginnen. Die Hauptfrage wird ganz präzise in ihre zumeist drei Teilfragen zerlegt. Diese Teilfragen bestimmen die Literaturrecherche und die Lektüre von Texten („Was will ich wissen?“) und später den Roten Faden des Textes, d. h. die Kapitelabfolge. Sind Hauptfragestellung und Aufbau gut durchdacht, haben Schreibblockaden nahezu keine Chance mehr.
Der rote Faden eines wissenschaftlichen Textes muss sich natürlich auch an den Konventionen des Faches orientieren. So pflegen Sozialwissenschaftler nahezu immer die Unterteilung in den „Theorieteil“ und den „Empirieteil“. Dieses Wissen um Gliederungskonventionen sollte sich jeder in seinem Studium erarbeiten.

Methodenkenntnisse sind unabdingbar

Mit dem Festlegen des Ziels ist die wissenschaftliche Arbeit aber noch lange nicht getan. Nun folgt der berühmte „Weg zum Ziel“ – in den Wissenschaften Methode genannt. Im Studium sollte man lernen, welche Methoden das Fach bestimmen und wie diese funktionieren. In den Literaturwissenschaften sollte man z. B. wissen, wie eine Romanalyse gemacht wird; in der Soziologie, was eine Clusteranalyse ist und wie man die Ergebnisse interpretiert. Dieses Wissen über Schritte der Erarbeitung bestimmt den Weg zum „Was will ich schreiben?“ Natürlich ist auch das Einüben in diese Methoden eine Voraussetzung, um zu plausiblen Ergebnissen zu kommen, die dann in den Text eingehen.

Mentoring als Unterstützungsangebot

Während des Erstellens der Bachelorarbeit sind viele StudentInnen auf sich allein gestellt. Jeder steht vor der Aufgabe, sich geeignete Unterstützung zu suchen. Für eine erste Orientierung und Inspiration lohnt sich die Recherche nach Abschlussarbeiten anderer, die in Bibliotheken oder auf Institutswebseiten zu finden sind. Erste persönliche Anlaufstelle sollte natürlich der betreuende Professor sein. Einige Hochschulen, wie die Steinbeis-Hochschule Berlin, bieten jedem Studenten ein Mentoring an. Am Institut „Akademie für öffentliche Verwaltung und Recht“ können die Studentinnen dem Mentor alle Fragen stellen, die sich im Prozess ergeben. Auch bieten Schreibwerkstätten bei Schwierigkeiten beim Verfassen Hilfe an. Diese recht neuen Institutionen oder auch Seminare finden sich an Universitäten, ebenso auf dem freien Markt. Auch hilft, sowohl von fachfremden als auch fachinternen Personen Texte Korrekturlesen zu lassen, um regelmäßig ein Feedback zu erhalten. Oftmals werden Bachelorarbeiten auch thematisch an einem Unternehmen ausgerichtet und somit zusätzlich von einem Mentor aus dem Unternehmen betreut. Der Kontakt zu diesem ist in der Regel persönlicher und bietet eine ausgezeichnete Möglichkeit zum fachlichen Austausch.